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Dienstag, 11. November 2008

Whisky-Tasting im Havanna, Luzern

Mein traditionelles Herbst-Whisky-Tasting fand erstmals im Havanna Cafe & Bar in Luzern statt. Die von der restlichen Bar abtrennbare Lounge eignet sich hervorragend für ein Tasting bis zu 25 Personen.



Kurz vor Beginn (18 Uhr) trafen die ersten Teilnehmer ein und liessen sich in die bequemen schwarzen Ledersessel fallen, um den Alltag hinter sich lassen und sich auf die kommenden Stunden einzustellen. Wie gewohnt wurde den 20 Teilnehmer zunächst der schwarze Espresso, ohne Zucker serviert, um den Gaumen für die kommenden Freuden vorzubereiten.

Von den Lowlands in die Speyside...
Eine Signatory-Abfüllung aus der 2004 abgebrannten Littlemill-Destillerie machte den Auftakt. Die leicht stechende und nach Zuckerglasur riechende Nase wird im Gaumen leicht ölig und trocken, scharf, zuckrig und lang im Abgang. Der 16jährige Single Malt aus zwei Fässern ist ein herrlicher Vertreter der Lowland Malts. Den Geniesser macht er wehmütig, im Wissen, dass die Destillerie keine Single Malts mehr produzieren wird.


Eine 9jährige Macallan-Abfüllung von Murray McDavid aus dem Jahre 1990 wurde im Anschluss verkostet. Die Flasche stammt noch aus der Zeit, als Macallan noch aussliesslich in Oloroso-Sherry gelagerten Single Malt auf den Markt brachte. Die nicht kaltfiltrierte oder gefärbte Einzelfass-Abfüllung ist in der Nase leicht aggressiv mit einem süssen Sherry-Duft. Im Gaumen ist der Oloroso-Sherry dominant und im langen Abgang eröffnen sich dem Geniesser diverse Früchte.

Wer Früchte im Single Malt suchte, war auch mit dem 16jährigen, 1990 abgefüllten Linkwood von Signatory bestens bedient. Der wohlriechende Single Malt aus zwei Fässern (insgesamt gibt es 699 Flaschen) ist im Gaumen mittelschwer, rund, ölig und leicht zuckerig. Der Abgang ist angenehm trocken und nach Rosen und Zitrone riechend.


Vor der kurzen Pause mit einer erlesenen Auswahl an Trockenfleisch und Käse wurde noch ein 14jähriger Longmorn von Signatory gereicht. "Auf dem Platz der heiligen Menschen" (Uebersetzung von Longmorn) wird ein mächtiger, etwas öliger, blumig-fruchtiger, malziger und süsser Single Malt produziert. Im Gaumen und in der Nase kann man diese Eigenschaften feststellen. Der Abgang dieses Kunstwerks ist klar, geschmeidig und lang.

...und über die nördlichen Highlands...
Die erst 1967 erbaute Clynelish-Destillerie gehört zum Besten, was Diageo zu bieten hat. Ausgeprägt ist die Nase des 16jährigen Single Malts aus dem Hause Signatory die nach Seeluft, Malz und einem Hauch Karamell riecht. Der Gaumen wiedergibt, was die Nase verspricht und der Abgang ist wie erhofft, lang und leicht komplex. Ein Single Malt zu einem würzigen Stück Fleisch.

...nach Islay
Wir beenden das Herbst-Tasting mit einem Dram eines 12jährigen, fassstarken Bowmore vom unabhängigen Abfüller James MacArthur. Die Einzelfass-Abfüllung aus der ältesten Destillerie Islay´s ist wie erwartet rauchig, torfig mit einem Hauch Salz. Im Gaumen ist der Single Malt komplex, würzig, torfig und malzig. Der Abgang ist herrlich lang, komplex mit einer gewissen Süsse und hoher Trockenheit.

Ein besonderes Highlight waren die von Anna selbstgefertigten Schokoladen-Truffes mit einem kräftigen Schuss des zuvor verkosteten fassstarken Bowmores.

Es war eine Bestätigung, dass qualitativ hochstehende Genussmittel zusammen perfekt harmonieren. Und der Druck an kommenden Tastings ähnliche Ueberraschungen zu präsentieren ist entsprechend gestiegen.

Ausklang
Das positive Feedback von vielen Teilnehmern (darunter 7 neue Geniesser) bestärkt mich darin, auch das Frühlings-Tasting im ähnlichen Rahmen zu gestalten. Bis dahin gibt es aber noch die Interwhisky Frankfurt, das WhiskyShip Zürich, das Burn´s Supper, das Whiskyschiff Luzern und nicht zuletzt Weihnachten und Neujahr. Alles Gelegenheiten sich whiskytechnisch weiterzubilden.

Slainte, Ralph