Stock Ticker

Freitag, 26. Dezember 2008

Lehren aus dem Madoff-Skandal

Als ob die Anlegergemeinde im ausgehenden 2008 noch nicht genügend Rückschläge hat erleiden müssen, flog im Dezember der langjährige Schwindel des ehemaligen Vorsitzenden der Nasdaq-Börse - Bernard Madoff - auf. Erste Schätzungen gehen von einem Betrugswert von 50 Milliarden US-Dollar aus. Zu den Geschädigten gehören neben institutionellen Anlegern wie Pensionskassen, Banken und Fund of Hedge Funds auch Privatkunden von unabhängigen Anlageberatern und Banken.



Lehren aus dem Madoff-Skandal
Gemäss verschiedenen Presseberichten und Hintergrund-Recherchen anerkannter Medientitel wäre der Betrug von Aussenstehenden entdeckbar gewesen. Die Umstände und der weltweite Bekanntheitsgrad des Herrn Madoff führten jedoch dazu, dass viele Anleger auf eine detaillierte Risiko-Analyse verzichteten oder sie vollständig unterliessen.

Weshalb vertrauten so viele professionelle Anleger Herrn Madoff mehrere Milliarden US-Dollar zur Verwaltung an ohne sämtliche Risiken vollumfänglich abzuklären?

1. Bernard Madoff ist eine der schillerndsten Figuren im New Yorker Jet-Set und war Mit-Initiator der Technologiebörse Nasdaq.

2. Seine Fonds weisen eine kontinuierliche Gewinn-Entwicklung - selbst im 2008 waren sie 5% im Plus - auf und verfügen über eine Historie zurück bis 1991.

3. Die Fondsvolumen z.B. Fairfield Sigma weisen mehrere Milliarden US-Dollar auf, was in den Augen vieler Anleger einem Gütesiegel gleichkommt.

4. Herr Madoff hat viele detaillierte Fragen zu seinem Anlagestil persönlich genommen und sie als Zweifel an seiner Person ausgelegt. Und wer wollte schon die Glaubwürdigkeit von Herrn Madoff hinterfragen?

5. Intransparenz. Die Fonds verfolgten gemäss Madoff eine Derivatstrategie (split-strike), diese konnte von anderen Marktteilnehmer leicht kopiert werden, lieferte aber niemals die selben Renditen, wie die von Herrn Madoff. Diese Diskrepanz bewog einige Investoren, nicht in Madoff zu investieren.


Relevanz für Whisky-Investoren
Einige Leser dürften sich nach der Relevanz dieses Artikels für Whisky-Anleger fragen. Hedge Funds und Whisky-Anlagen verfügen über Gemeinsamkeiten wie Illiquidität, geringeren Grad an Transparenz, Gegenpartei-Risiken um nur einige zu nennen.

Die Lehren, die aus dem Madoff-Skandal gezogen werden können, beziehen sich auf die klare Identifikation der Gegenpartei-Risiken (mit wem tätige ich Geschäfte?), der Erhöhung der Transparenz (in welche Anlagen investiere ich? Wohin fliesst mein Geld? Wie funktioniert die Anlage-Methode? Welche Anlage-Risiken gehe ich ein?) und der Identifikation der Risiken der Illiquidität (zu welchem Preis kann ich meine Anlagen in einem nicht mehr funktionierenden Markt verkaufen?).

Es bleibt allen Whisky-Investoren und -Geniesser zu wünschen, dass die Whisky-Branche vor einem Ponzi-Scheme wie Madoff verschont bleibt.

Montag, 8. Dezember 2008

Von hohen Aktienschwankungen profitieren

Anleger, die es Warren Buffett, dem legendären Value-Investor, gleichtun wollen, kaufen jetzt Aktien. Selbstverständlich will das im Moment niemand tun, denn wer will schon "ins fallende Messer greifen", den "Fels in der Brandung sein" oder sich konträr zur landläufigen Marktmeinung positionieren? Wenige.

Covered-Write Strategie
Investoren, die sich von den hohen Tagesschwankungen (heute waren es je nach Aktienindex bis zu 10 Prozent!) bei Aktien abschrecken lassen oder Angst vor weiteren Kursrückgängen haben, sollten sich die Covered-Write Strategie näher ansehen.

Covered-Write oder auch Buy-Write genannt ist die Kombination eines Aktienkaufs bei gleichzeitigem Verkauf einer Call-Option.

Der Vorteil dieser Strategie ist das zusätzlich generierte Einkommen durch den Verkauf der Call-Option. Dieses hilft gegen kleine Kursrückgänge gewappnet zu sein.

Beispiel: Louis Vuitton Moet Hennessy (kurz LVMH respektive Börsenkürzel MC)
Die Aktie handelte heute bei EUR 44.88. Für eine Verkaufsoption (Call-Option) mit Verfall 18. September 2009 zu EUR 50.-- erhielt man EUR 6.08.

Chart: Hohe Schwankungen prägen das Kursbild der LVMH-Aktie

Konkret: Für EUR 38.80 (Kauf Aktie zu 44.88 abzüglich Verkauf Option zu 6.08) hat man eine Covered-Write Strategie aufgebaut.

Szenario 1: Wenn der Kurs der LVMH-Aktie am 18. September 2009 (Verfall der Option) höher als EUR 50.-- ist, verkauft man die Aktie zu EUR 50.--

Gewinn Szenario 1: Verkaufspreis - Kaufspreis = 50 - 38.80 = EUR 11.2 resp. 28.9% in 10 Monaten!

Risiko Szenario 1: Sollte der Kurs also bei EUR 80.-- sein, hat man die Aktie EUR 30.-- zu günstig verkauft.

Szenario 2: Der Kurs der LVMH-Aktie ist bei Verfall bei EUR 44.88. Die Option verfällt wertlos und der Investor behält die Aktie.

Gewinn Szenario 2: Aktienkurs - Kaufspreis = 44.88 - 38.80 = EUR 6.08 resp. 15.7% in 10 Monaten! Wer nur die Aktie zu EUR 44.88 gekauft hat, konnte keinen Gewinn verbuchen. Hier liegt der grosse Vorteil dieser Strategie.

Szenario 3: Der Kurs der LVMH-Aktie ist am 18. September 2009 bei EUR 35.--. Die Option verfällt wertlos und der Investor behält die Aktie.

Verlust Szenario 3: Aktienkurs - Kaufspreis = 35 - 38.80 = EUR -3.80 resp. -9.8%. Wer nur die Aktie zu EUR 44.88 gekauft hat, hat im selben Zeitraum EUR 9.88 resp. 22% verloren.



Das sogenannte Payoff-Diagramm (nur grüne Linie beachten) ist die beste Zusammenfassung. Der Schnittpunkt der grünen und weissen Linie (EUR 38.80) ist der Kaufpreis der Strategie (Aktienkauf und Optionsverkauf).

Ist der Kurs der Aktie (x-Achse) am 18. September 2009 höher als EUR 38.80 und somit rechts vom Schnittpunkt, macht der Investor einen Gewinn (Höhe siehe Y-Achse; Wert durch 10 dividieren). Sobald die Aktie über EUR 50.-- steigt, verflacht die grüne Linie und der Investor partizipiert nicht mehr am weiteren Kursverlauf nach oben.

Ein weiteres Risiko liegt im Kursverfall unter den Schnittpunkt bei EUR 38.80. Der Buy-Write Investor ist zwar weniger verlustanfällig als der Aktionär (er kauft bei EUR 44.88), ist aber auch dem Kursrisiko nach unten (links vom Schnittpunkt der grünen und weissen Linie) ausgesetzt.

Fazit
Investoren, die bereit sind eine Aktie mit 10% Gewinn zu verkaufen (in unserem Beispiel bei EUR 50.--), sollten die Möglichkeit der Buy-Write Strategie in Betracht ziehen, um die maximale Rendite entsprechen zu erhöhen (in unserem Beispiel um EUR 6.08 resp. 12%). Dabei darf aber das Verlustrisiko nicht vergessen werden.

Ich hoffe der kleine Exkurs in die Welt der Derivat-Strategien gekoppelt mit einer Geniesser-Aktie hat Euch Appetit auf Aktien oder zumindest auf ein Dram gemacht.

Mittwoch, 3. Dezember 2008

10 Jahre WhiskyShip

Vom 27. bis 30. November 2008 fand in Zürich zum zehnten Mal das WhiskyShip statt. Ursprünglich für die Liebhaber von Whisk(e)y gedacht und gemacht, entwickelte sich die Veranstaltung im letzten Jahrzehnt zu einer Genussmesse mit Fokus auf schottischen Single Malt.

Genussfestival
Dabei sind einige der ebenfalls zur Verkostung angebotenen Lebensmittel seit langem in Verbindung mit Whisky zu finden: Wasser und Zigarren kommen Geniessern dabei als erstes in den Sinn. Daneben wurden auf einem Schiff auch noch verschiedene Schaumweine, Tee- und Kaffeesorten sowie dunkle Schokolade angeboten.

Xenia, ex-Vize-Miss Schweiz auf der Suche nach dem Lebenswasser

Leider waren diese "exotischeren" Angebote wenig in das eigentliche Genussfestival integriert und fristeten ein beinahe unbeachtetes Oberdeck-dasein oder waren am anderen Pier vertäut.

Grossandrang
Wie es sich für ein Jubiläum gehört, strömten trotz Finanzkrise und Börsengewitter ganze Heerscharen auf die 10 Schiffe. Dabei konzentrierten sie sich vorab auf die traditionellen Whiskyschiffe, was dazu führte, dass man sich mitunter regelrecht zur Bartheke herankämpfen musste. Hier hätte eine besser überlegte Logistik - Integration der Whisky-Anbieter mit den Anbietern von Schokolade, Wasser, Tee, Kaffee - einige Frustrationen der Besucher schmälern können.

Angebotsvielfalt
Sämtliche Anbieter waren bemüht, sich auf einzelne Whisky-Regionen, Destillerien oder Abfüller zu konzentrieren, was die Lust aufs Entdecken immens erhöhte. Während man bei Acla da Fans vermehrt auf ältere Abfüllungen und Islay-Whisky stiess, boten Angelsshare, Smugglers, Michis Whiskywelt, Best Taste Trading aktuelle Abfüllungen aus ihrem jeweiligen Sortiment an.

Unterhaltung und Verpflegung
Wer sich mit leerem Magen an die Degustation macht, wird sich schnell erkundigen, wo es Verpflegungsmöglichkeiten gibt. Neben Grilladen inkl. Whiskywurst gab es einen Stand mit Bündner Spezialitäten (Trockenfleisch, Käse, Birnbrot etc.). Begleitet wurde man beim Essen von Dudelsackmusik in bester schottischer Manier. Manch einer bewunderte die Unerschrockenheit mit der die junge Frau dem Wetter und der Kälte trotzte.

Fazit
Ein durchaus gelungenes Whiskyship, das sich für die Zukunft überlegen muss, ob es sich konsequent zum Genussfestival (siehe Website) wandeln will (dann müssen die "exotischeren Anbieter" aber physisch miteinbezogen werden) oder zurück zu den Wurzeln geht. Mit einer halbherzigen Lösung ist weder den Geniessern, noch den Anbietern gedient.

Und persönlich habe ich auch ein paar neue leckere Whiskies gefunden und probiert: Der 25jährige Macallan (selbstverständlich im Sherry-Fass gelagert) von 1975 war einer davon.


Nicht ganz günstig, aber am Ende war das Dram jeden Franken wert.

Slainte, Ralph