Als ob die Anlegergemeinde im ausgehenden 2008 noch nicht genügend Rückschläge hat erleiden müssen, flog im Dezember der langjährige Schwindel des ehemaligen Vorsitzenden der Nasdaq-Börse - Bernard Madoff - auf. Erste Schätzungen gehen von einem Betrugswert von 50 Milliarden US-Dollar aus. Zu den Geschädigten gehören neben institutionellen Anlegern wie Pensionskassen, Banken und Fund of Hedge Funds auch Privatkunden von unabhängigen Anlageberatern und Banken.

Lehren aus dem Madoff-Skandal
Gemäss verschiedenen Presseberichten und Hintergrund-Recherchen anerkannter Medientitel wäre der Betrug von Aussenstehenden entdeckbar gewesen. Die Umstände und der weltweite Bekanntheitsgrad des Herrn Madoff führten jedoch dazu, dass viele Anleger auf eine detaillierte Risiko-Analyse verzichteten oder sie vollständig unterliessen.
Weshalb vertrauten so viele professionelle Anleger Herrn Madoff mehrere Milliarden US-Dollar zur Verwaltung an ohne sämtliche Risiken vollumfänglich abzuklären?
1. Bernard Madoff ist eine der schillerndsten Figuren im New Yorker Jet-Set und war Mit-Initiator der Technologiebörse Nasdaq.
2. Seine Fonds weisen eine kontinuierliche Gewinn-Entwicklung - selbst im 2008 waren sie 5% im Plus - auf und verfügen über eine Historie zurück bis 1991.
3. Die Fondsvolumen z.B. Fairfield Sigma weisen mehrere Milliarden US-Dollar auf, was in den Augen vieler Anleger einem Gütesiegel gleichkommt.
4. Herr Madoff hat viele detaillierte Fragen zu seinem Anlagestil persönlich genommen und sie als Zweifel an seiner Person ausgelegt. Und wer wollte schon die Glaubwürdigkeit von Herrn Madoff hinterfragen?
5. Intransparenz. Die Fonds verfolgten gemäss Madoff eine Derivatstrategie (split-strike), diese konnte von anderen Marktteilnehmer leicht kopiert werden, lieferte aber niemals die selben Renditen, wie die von Herrn Madoff. Diese Diskrepanz bewog einige Investoren, nicht in Madoff zu investieren.
Relevanz für Whisky-Investoren
Einige Leser dürften sich nach der Relevanz dieses Artikels für Whisky-Anleger fragen. Hedge Funds und Whisky-Anlagen verfügen über Gemeinsamkeiten wie Illiquidität, geringeren Grad an Transparenz, Gegenpartei-Risiken um nur einige zu nennen.
Die Lehren, die aus dem Madoff-Skandal gezogen werden können, beziehen sich auf die klare Identifikation der Gegenpartei-Risiken (mit wem tätige ich Geschäfte?), der Erhöhung der Transparenz (in welche Anlagen investiere ich? Wohin fliesst mein Geld? Wie funktioniert die Anlage-Methode? Welche Anlage-Risiken gehe ich ein?) und der Identifikation der Risiken der Illiquidität (zu welchem Preis kann ich meine Anlagen in einem nicht mehr funktionierenden Markt verkaufen?).
Es bleibt allen Whisky-Investoren und -Geniesser zu wünschen, dass die Whisky-Branche vor einem Ponzi-Scheme wie Madoff verschont bleibt.



